Die Eingeborenen machten keinen besonders günstigen Eindruck – Franz Ferdinand von Österreich-Este

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Buch: Die Eingeborenen machten keinen besonders günstigen Eindruck
Autor: Franz Ferdinand von Österreich-Este
Herausgeber: Frank Gerbert
Verlag: Kremayr & Scheriau (März 2013)
Seiten: 288 Seiten

Meine Meinung:

Das Buch mit dem äußerst langen, aber besonderen Titel stellt das Reisetagebuch von Franz Ferdinand von Österreich-Este dar. Der Titel ist bereits ausschlaggebend für die meisten Beobachtungen des Kronprinzen, der auf seiner Weltreise viele Länder besucht und dort nicht nur die angenehmen Seiten des Landes sucht, sondern vielmehr „ethnologische Studien“ betreiben mag, sein Jagdglück versuchen und viel über Land und Leute lernen.

Franz Ferdinand scheint ein äußerst kluger und scharf beobachtender Mensch zu sein, der aber trotzdem Kind seiner Zeit ist. So sind einige Äußerungen für uns heutzutage undenkbar und unhaltbar, doch gerade das macht den Bericht auch für mich als Zeitzeugnis so realistisch. Neben dem großen Einfluss der damaligen Zeit auf die Betrachtungsweise der indigenen Bevölkerung (die im Normalfall alles andere als charmant ist) spiegeln sich aber auch eigene Gedanken und auch Kritik an den Verhältnissen der Zeit wieder und geben ein interessantes und umfassenderes Bild des Autors wieder.

Die Reiseroute ist interessant gewählt – ich war ein wenig enttäuscht, dass Südamerika nicht besucht wurde, aber dafür waren die anderen Stationen auch sehr interessant und ich habe einiges Neues gelernt. Zudem habe ich einige der besuchten Orte für mich nochmal nachgeschlagen, weil das Interesse dafür einfach geweckt wurde.

Die Beschreibungen von Franz Ferdinand sind faszinierend zu lesen. Seine große Leidenschaft des Jagends stieß mir des Öfteren auf – vor allem, da er immer auf der Jagd nach den schönsten Exemplaren der Art war, und er die Natur auf andere Weise eigentlich stark bewunderte und respektierte. Das sind die Seiten, die für mich nicht ganz zusammenpassen, aber dann eben doch ein gutes Spiegelbild für die damalige und auch sicherlich auch für die heutige Welt abgeben!

Gefallen hat mir auch, das Rechtschreibung und Grammatik des Kronprinzen (größtenteils?) beibehalten wurden und man wirklich in die tatssächlichen Tagebücher blicken kann. Ich fand diesen Aspekt auch sehr faszinierend und war erstaunt, wie viele englische Wörter sich doch bereits damals in die Sprache eingeschlichen hatten! Soviel zu Anglizismen der Neuzeit 😉
Einige Passagen der Tagebücher wurden abgekürzt (der Original-Text soll um die 1000 Seiten gehabt haben), aber der Lesefluss bleibt meist dennoch erhalten. Frank Gerbert’s Vorwort gibt einen guten Einstieg zum Buch und zu Franz Ferdinand, seine Bearbeitung des Textes ist gelungen und für den Leser gut aufbereitet.

Insgesamt stellt das Buch ein faszinierendes Zeitzeugnis das, dass mit einigen Bildern und interessanten Fakten ergänzt wurde und ein umfangreiches Spektrum der Weltreise ablichtet.

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Speisende soll man nicht aufhalten – Patrick Stäbler

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Buch: Speisende soll man nicht aufhalten – eine Deutschlandrise über den Tellerrand hinaus
Autor: Patrick Stäbler
Verlag: Rowohlt TB (Juni 2013)
Seiten: 256 Seiten

Das Buch ist ein sehr interessantes Buch mit Rezepten, Ideen, Humor und einigen alten Gerichten, die für mich völlig neu waren. Es ist das Debüt des Autors.

Meine Meinung:

Das Buch „Speisende soll man nicht aufhalten“ mit dem aussagekräftigen Untertitel „Eine Deutschlandreise über den Tellerrand hinaus“ bietet köstliche und amüsante Anekdoten über die Anhalter-Praxis, das Couchsurfing und natürlich über das Essen.

Patrik Stäbler unternimmt eine kulinarische Reise durch Deutschland und besucht dabei jedes Bundesland und ist auf der Suche nach mindestens einem typischen Gericht der Region. Dabei spielen vorherige Recherchen eine Rolle sowie manchmal der Zufall oder Hilfe von netten Leuten, die nochmal besondere Tipps geben. Denn: nicht alle regionalen Speisen kann man noch überall bekommen und so muss man schon etwas suchen.

Der Schreibstil ist sehr locker und amüsant, ich musste öfter gut lachen – denn die Anekdoten und Erlebnisse sind wirklich gut. Manches wird kritisch hinterfragt, manches mal bekämpft der Autor seine eigenen Vorurteile. Das macht es zu einer runden Sache, die mir gut gefallen hat.

Sehr interessant dabei war, dass es für bestimmte Gerichte tatsächlich richtige Vorkämpfer gibt, die für den Erhalt und die Bekanntheit der regionalen Spezialitäten kämpfen. Und das oftmals mit Erfolg.

Ein besonderer Bonus des Buches: Zu jedem Bundesland gibt es ein Rezept! Und da werde ich definitiv noch was ausprobieren, denn so verrückte Speisen wie Dibbelabbes und co. müssen eben doch mal probiert werden. Der Autor hats ja schließlich auch überlebt ;))
Auch toll ist das Restaurant-Verzeichnis am Ende, sodass man auch hier nochmal selbst vorbeischauen und das ein oder andere Gericht probieren könnte.

Alles in allem hat mir das Buch vergnügliche Lesestunden gebracht, mich informiert über regionales – manches kannte ich nicht, manches schon – aber nicht mit den Hintergründen dazu. Es ist gut geschrieben und die Extras wie die Rezepte geben den Ausschlag zum 5. Stern. Empfehlenswert.

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